Türkeitörn 2007 (Another Day - Another Bay)
At a Glance
| Captain/Skipper | Andreas | |
| Est. total length | 302nm | |
| Boat Name | Bjarne | |
| Boat Type | Bavaria 37 |
by Andreas
Journal
0.Tag, Samstag, 02.06.2007: Düsseldorf-> Fethiye ; Anreise
June 02, 2007
Mit einer minimalen Verspätung heben wir um 14 :50 mit der LTU mit Kurs auf Dalaman ab. Vorher haben wir uns noch das mittlerweile obligatorische Fläschchen Sekt gegönnt.
Pünktlich landen wir in Dalaman. Da die LTU die einzige Maschine ist, die in diesem Zeitfenster gelandet ist, wirkt der Flughafen gespenstisch leer. Schnell durch den Zoll, auch das Gepäck lässt nicht lange auf sich warten. An meiner Tasche hängt ein oranges Schild mit der Aufschrift "HEAVY". Ein bisschen über 30 kg. Nunja …
Unser bestellter Transfer bringt uns nach Fethiye, in die Ece Marina, eine der modernsten Marinas am ganzen Mittelmeer. Hier liegt unsere 37 Fuß große Segelyacht Bjarne .
Da wir mittlerweile schon 20:00 Uhr haben, ist das Büro des Vercharteres geschlossen.
OK, heute passiert nicht mehr viel. Schnell das Gepäck an Bord und erstmal Bier (Efes) in dem Marina-Supermarkt besorgen !!!.
Während Daniel und Andreas sich ein paar Döschen von dem türkischen Gebräu reinschrauben und Katja und Marika sich eine Flasche Weißwein in den Kopf stellen, merken wir schnell, dass wir Hunger haben.
Wir folgen einem Tip vom Vercharterer. Das Essen lässt allerdings etwas zu wünschen übrig.
1.Tag, Sonntag, 03.06.2007: Fethiye-> Insel Tersane
June 03, 2007
Nun, hier kann ich mich kurz fassen. Jeder kennt den Ablauf, bevor es losgeht:
Bunkern, parallel läuft die Bootsübergabe, alle Lebensmittel und Klamotten verstauen, Wasser auffülen, Sicherheitseinweisung.
Genau wie in wochenlanger akribischer Törnplanung ausgearbeitet, legen wir pünktlich um 14:22 Uhr ab.
Unser heutiges Tagesziel ist die Insel Tersane.
Die Bucht, die wir angesteuert haben, ist ein Traum. Relativ leer und schon fast kitschig idyllisch.
Unser erstes Ankern klappt nicht auf Anhieb. Erst beim vierten Mal hält der Anker auf dem tiefen und ungleichmäßigen Grund. Nachdem die Mädels die Heckleine ausgebracht haben, liegen wir sicher wie in Abrahams Schoß.
2.Tag, Montag, 04.06.2007: Insel Tersane -> Kapi Koyu
June 04, 2007
Heute fahren wir lediglich unter Motor in die vier Seemeilen entfernte Bucht Kapi. Auch eine traumhaft schöne Bucht. Wir gehen an den Steg des Restaurants. Zu dem Thema "Restaurant" sei hier nochmal folgendes erwähnt, für die, die dieses Revier noch nicht kennen:
Wenn man an einen solchen Steg, der meist aus einer abenteuerlichen Konstruktion besteht, geht, zahlt man dafür nichts. Man sollte aber im Gegenzug dafür in dem Restaurant essen gehen, oder zumindest ein oder zwei Bierchen trinken.
Die Betreiber sind hier nicht auf Almosen aus, sondern sie wollen ein Geschäft machen. Geben und Nehmen.
Nachdem wir mit unserem Dingi zum Baden und Schnorcheln eine Bucht weitergefahren sind, gehen wir abends in das Restaurant. Das Essen ist einfach, aber super lecker !
3.Tag, Dienstag, 05.06.2007: Kapi Koyu -> Ekincik Limani
June 05, 2007
Unser heutiges Tagesziel heißt Ekincik Limani – eine große dichtbewaldete Bucht, deren gebirgige Kulisse am Nordstrand durch ein fruchtbares Tal mit einem Dorf unterbrochen wird.
Auf unserer Fahrt dorthin zeigt sich der Wind mehr als launisch – typisch für diese Revier. Eben noch Flaute und schon bläst er mit vier Windstärken auf einen angenehmen Halbwindkurs. Im Laufe des Nachmittages nimmt er bis auf 6 Bft zu und weht nun dummerweise genau aus der Richtung, in die wir wollen. Wir versuchen zu kreuzen, aber wir sind wohl noch zu nahe unter Land, sodass der Wind nie konstant aus einer Richtung weht. Irgendwann geben wir uns geschlagen und laufen den Rest der Strecke unter Motor.
Wir suchen uns die östliche, sehr geschütze Ausbuchtung Maden Iskele aus. Hier gibt es einen 100 m langen Holzsteg mit Murings. Die Mitarbeiter des Restaurnats "My Marina" helfen uns uns beim Anlegen. Die Kulisse, die sich an diesem Anleger auftut, wirkt auf den ersten Blick wie eine Ruine. Schaut man aber genau hin, erkennt man, dass sie ganze Anlage, die zu diesem Steg gehört nagelneu, auf alt getrimmt und bis ins kleinste Detail durchdesigned ist.
Irgendwie schön.
Da wir hier sicher liegen, beschließen wir, am nächsten Tag einen Bootsausflug über den Dalyan zu machen.
4.Tag, Mitwoch, 06.06.2007: Ekincik Limani ; Tagesausflug über den Dalyan
June 06, 2007
Wir bestellen uns ein Gullet für 10:30 und machen einen Preis von 100€ für eine vierstündige Fahrt über den Dalyan mit bestimmten Stoppunkten klar. Ein ganz schön großes Boot für nur zwei Pärchen.
Vorbei am berühmten Turtle Beach fahren wir zunächst zu den Ruinen von Kaunos, die in früheren Jahren eine blühende Hafenstadt war.Wir sind uns schnell einig : Alte Trümmer sind nicht so unser Ding. Allerdings ist ein den alten Ruinen ziemlich viel Leben. Große und kleine Eidechsen haben sich hier breit gemnacht.
Weiter gehts zur Stadt Dalyan, vorbei an den berühmten lykischen Felsengräbern.
Wir machen Stop an einem Restaurant, das natürlich (!) zur Cooperative der Gulletfahrer von Ekinicik Limani gehört. Special Price – guckst Du ?! Wir lassen uns wenig hierdurch beeindrucken und erkunden die kleine Stadt, in der wir noch ein paar Vorräte kaufen. Nach einem Bier im Cooperativen-Restaurant geht es dann wieder den Fluss hinunter. Wir machen noch einen Stop am Iztuzu-Strand, an dem die seltene grüne Meeresschildkröte Caretta Caretta, Ihr Eier ablegt. Nunja, tagsüber lungern hier die Touristen rum; nachts
wird der Strand geräumt, sodass die Schildkröten hier freie Bahn haben.
Das Meer hat sich im Laufe des Nachmittages ganz schön aufgebaut., sodass die Rückfahrt nach Ekincik Limani eine ziemlich wacklige Angelegenheit wird. Aber der Gullet-Kapitän hat sein Schiff im Griff.
Abends dann gehen wir in das auf dem Berg gelegene Restaurant "May Marina". Es ist sicher das teuerste Essen, das wir im Laufe unseres Törns verspeist haben, dafür aber auch das interessanteste und leckerste !! Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Ein schöner Tag mit einem angemessenen Ausklang geht zu Ende
5.Tag, Donnerstag, 07.06.2007: Ekincik Limani -> Port Marmaris
June 07, 2007
Am Morgen brechen wir auf nach Marmaris. Wir freuen uns auf eine vernünftige Dusche und ein geräumiges nichtschaukelndes Klo. Typische Seglerwünsche.
Ein angenehmer Wind mit 3-4 Bft bringt uns auf unseren gewünschten Kurs. Je mehr wir in die Bucht von Marmaris kommen, desto stärker weht der Wind, und wieder genau von vorne. Nach meinen Berechnungen müssten wir nun noch 5 Stunden gegen diese Bedingungen ankreuzen, um gegen 19:00 im Hafen zu sein. Das will keiner. Also Motor an und direkten Kurs. Der Wind nimmt weiterhin zu. 30 Knoten ! Wir machen unter Maschine nur noch 3 Knoten Fahrt. Endlich, wir nähern uns der Netsel Marina. Fender klar, Leinen klar, Dingi an den Bug. So langsam kommt Routine in die Crew.
Man nimmt uns in Empfang und weist uns einen Liegeplatz zu.
Es soll Leute geben, die haben schon gestöhnt, weil hier ein Kreuzfahrtschiff im Hafen lag, wir aber haben wirklich einen Grund zum Klagen. An der großen Pier, keine 100 Meter von uns entfernt, liegt ein Kriegsschiff der US-Marine, das hier gewartet wird.
Die Arbeiten gehen die ganze Nacht hindurch, die Diesel-Aggregate laufen auf Hochtouren.
Wir schauen uns in Marmaris, das touristisch schon etwas versaut ist, ein wenig um und füllen dann unsere Lebensmittelvorräte auf. Da wir keine Lust auf Touri-Lokale haben, besorgen wir uns für abends in einem Supermarkt jede Menge türkische Köstlichkeiten. Lecker !!!!
6.Tag, Freitag, 08.06.2007: Port Marmaris -> Ciftlik Limani
June 08, 2007
Nach einer ausgiebigen Dusche und einem ordentlichen Frühstück verabschieden wir uns von Marmaris. Direkt hinter der Hafeneinfahrt setzen wir die Segel und dümpeln aus der Bucht von Marmaris. Der Wind schläft gegen 13:00 ganz ein. Der Wetterbericht hat eigentlich 6 Bft vorausgesagt. Unser Ziel, die Bucht von Bozukkale, werden wir wohl unter Motor anlaufen müssen. Das wären dann aber fast 20 Seemeilen. Während wir noch noch überlegen, sehen wir vor uns kleine Windfelder. Nix wie hin. um 13:40 können wir wieder Segeln. Um 14:30 hat der Wind so stark zugenommen, dass wir bereits das erste Reff in Genua und Groß drin haben. Um 15:00 sind Wind und Welle so stark, dass ich als Skipper erstmalig die Anweisung gebe, die Rettungswesten anzulegen und sich einzupicken.
Wind und Welle sind gegen uns. So werden wir es nich nach Bozukkale schaffen. Die nächste Bucht ist Ciftlik Limani. Also nix wie hin. Die Wellen spritzen mittlerweile über das Boot. Sehr erfrischend.
ie Einfahrt zur Bucht kann man erst kurz vor Land ausmachen. Hier zeigt unser Windmesser bereits 25-30 Knoten an.
Die Bucht ist einigermaßen geschützt. Wir entscheiden uns für einen Steg im Westen der Bucht. Der Wind kommt somit von hinten und entlastet die (wie wir später feststellen) etwas fragwüdige Muring. Der Steg gehört zu Mehmhet’s Restaurant. Das Bild ist stimmig. Restaurant und Steg machen einen sehr verfallenen Eindruck. Ich mache mir Sorgen, ob die rostigen Ringe am Steg wohl unseren Heckleinen stand halten und entscheide mich für zusätzliche Achtersprings, die ich um die Stegpfosten wickele. Das soll halten.
Abends trinken wir dann ein paar Bier bei Mehmet und kochen und essen anschließend an Bord.
Wir lassen den Abend bei ein paar geistreichen Getränken ausklingen, bis wir in die Kojen versinken. Ich schlafe mal wieder an Deck.
Ciftlik Limani -> Yesilova Hafen
June 09, 2007
Wir wollen heute nach Yesilova kommen. 36 Seemeilen liegen vor uns. Der Wind, der die uns die ganze Nacht aufs Heck geblasen hat, dreht urplötzlich gegen 08:00 um 180°. Die Muring, die nur an einem recht kleinen Betonklotz befestigt ist, fängt langsam an, nachzugeben. Der Wind drückt unser Heck langsam unter den Steg. Aufbruch !
Kaum aus der Bucht raus, herrscht Windstille. Ja, ist es denn die Möglichkeit ?!
OK, wir frühstücken während der Fahrt – unter Motor. Kein Wind. Erst um 12:30, als wir am Kap der Halbinsel Loryma sind, ist er wieder da. Zwar nur 3-4 Bft, aber besser als nix. Segel raus ! Halbwind, achterlicher Wind, kein Wind. Scheiße ! Segel runter. Den Rest bis Yesilova laufen wir unter Maschine. So können wir wenigsten den Kühlschrank wieder anmachen. Kaltes Dosenbier ist uns gewiss.
Die Ansteuerung nach Yesiloava Hafen ist nicht ganz ohne. Aufgrund vieler Klippen und enger Passagen sollte man hier schon mal in die Seekarten gucken !
Kurz vor der Hafeneinfahrt ist der Wind wieder da. Immer dann, wenn man ihn nicht braucht ! Der Hafen ist eigentlich recht leer. Ich entscheide mich, mit Anker vorraus zwischen zwei Yachten zu gehen. Daniel lässt den Anker mitten im Hafenbecken runter Er hält sehr schnell, und wir nähern uns bei mäßigem Seitenwind mit dem Heck der Hafenpier. Heckleine raus. Fest !
Yesilova ist noch sehr urtümlich. Ein kleiner Ort, kaum Tourismus, ein paar Lokale und Shops – das war’s.
Ich persönlich habe mich hier irgendwie sauwohl gefühlt.
Abends treffen wir in unserem favorisiertem Lokal Rainer wieder, der neben uns fest gemacht hat. Rainer hat mit 39 Jahren aufgehört zu arbeiten, lebt seitdem von seinen erfolgreichen Verkäufen und jetzigen Immobilien und schippert seitdem durch das Mittelmeer. Sowas wirft natürlich Selbstzweifel auf. Wir hatten dennoch einen sehr schönen und lustigen Abend und haben uns zu guter Letzt auch noch ein Wasserpfeife gegönnt.
Yesilova Hafen -> Bozukkale
June 10, 2007
Das Wetter ist heute ein bisschen diesig. Der Wind nimmt – wie immer – im Laufe des Nachmittages zu. Vor allem aber dreht er immer mehr auf Nord. Das macht unseren Plan, in die Bucht Agil Koyu einzulaufen – die nach Norden hin völlig geöffnet ist – zunichte. Wir entscheiden uns kurzerhand nach Bozukkale zu fahren, was bereits auf der Rückroute liegt. Wir schaffen es, zum ersten mal die Segel auf Schmetterling zu stellen . Mit 8 Knoten laufen wir letztendlich aus dem Golf von Symi. Europa ist nur 3 Seemeilen von uns entfernt.
Um 16:00 hat der Wind bereits 6 Bft. Wir haben die Bucht von Bozukkale querab. Sehen können wir sie nicht, und wir müssen uns von daher auf die Navigation verlassen. Unter Maschine trotzen wir Wind und Welle. Wir gehen an den Steg, der direkt auf der SW-Einkerbung der Bucht ist.
Bei den vorherrschenden Windverhältnissen scheint dies die beste Möglichkeit zu sein. Weiter hinten in der Bucht gibt es noch weitere Stege und auch Muring-Bojen.
Wir gehen somit unmittelbar an den Steg unterhalb der Zitadelle. Natürlich gibt es hier auch ein Restaurant.
Marika. Katja und Andreas erklimmen dann auch die Ruinen der Zitadelle, der Weg, der zum Teil am Abgrund verläuft, ist nicht ganz ungefährlich, macht aber Spaß ! Der Blick von oben ist überwältigend. Klare Sicht bis Rhodos in der Abenddämmerung – und ich hier oben alleine mit zwei Zitadellen-Mäusen ….
Nunja, ganz alleine sind wir hier oben dann doch nicht.
Wir kochen an Bord und gehen anschließend noch ein Bier im Restaurant trinken, dessen Dieselgenerator aber dann doch eher zu laut ist. Zu ungemütlich.
Bozukkale -> Ekincik Limani
June 11, 2007
Der Wind hat sich über Nacht nicht beruhigt. Als wir aus Bozukkale auslaufen, haben wir immer noch 5-6 Bft. Die See ist unruhig. Da der Wind für uns günstig steht und laut Wetterbericht in den n ächsten Tagen abflauen soll, nutzen wir die Chance für einen langen Schlag nach Ekincik Limani. 41 Seemeilen liegen vor uns.
Wir schaffen bis zu 9 Knoten. Temporausch pur. Im Laufe des Tages lässt der Wind etwas nach. Dennoch schaffen wir die Strecke in knapp 6 Stunden.
In Ekincik Limani waren wir schon mal. Diesmal aber gehen wir in die nordwestliche Ausbuchtung vor Anker.
Der Grund ist hier reiner Sand. Optimal also. Erstmalig können wir frei schwojen. Marika bezeichnet es nachwievor als schwofen. Ganz unrecht hat sie damit nicht. Im Laufe des Abends nimmt der Wind wieder zu und erreicht nachts in Spitzen bis zu 30 Knoten.
Marika und Daniel setzen mit dem Dingi über zum Ort und ergattern noch etwas Eis, um unseren Kühlschrank auf Temperatur zu halten.
Die Nacht wird unruhig. Ab und zu rauschen ein paar Kettenglieder aus (wir haben keine Teufelskralle). Der Anker hält. Während Katja und ich eine sehr unruhige Nacht verbringen und immer wieder auf die Instrumente gucken, verbringt der Rest der Crew die Nacht im Tiefschlaf.
Ich schlafe, wie fast immer, an Deck. Gegen Morgen weht nur noch eine leichte Brise.


